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  • AutorenbildChatty Avocado

Und noch 3 andere Gründe, Japan zu besuchen

Hier also der letzte Teil dieser Trilogie. Ich bräuchte zwar nicht extra zu erwähnen, dass ich mich in Japan sehr sicher und wohl gefühlt und nicht nur absurd-irrwitzige, sondern auch wundervolle und berührend schöne Erlebnisse hatte. Naja, hab ich jetzt halt trotzdem.


8 Royal Milk Tea: So schmeckt Soma

In Japan steht an nahezu jeder Strassenecke ein Getränkeautomat. Sofern man diese nutzt (und das sollte man), versteht man auch relativ bald, dass blaue Preisschilder für kalte und rote für heisse Getränke stehen, was ja schon mal per se ganz entzückend ist, zumal es schliesslich auch in Japan wärmere und kühlere Tage und Jahreszeiten gibt und sich darob die individuellen Präferenzen hinsichtlich der Temperatur des je gewünschten Fluids durchaus verschieben können. Die Preise sind überdies sehr fair, zwischen einem und zwei Franken (100 bis 200 Yen) löhnt man für die Getränke, also keine Spur von der unterirdisch miesen Abzocke an hiesigen Selecta-Automaten.


Bereits nach dem initialen Schluck bei der allerersten Degustation wurde der Royal Milk Tea zu meinem Somasaft. Ein wunderbar cremiges, reichhaltiges Getränk mit einer leicht floralen Note, das ich sehr vermisse. Aber man kann ihn sich auch selbst zubereiten, hier die Ingredienzen für zwei Personen:


2 TL Schwarztee (Darjeeling, Assam oder Ceylon Uva)

3 dl Milch

1 dl Wasser

Honig oder Zucker, je nach Geschmack und Blutzuckerspiegel / Diabetestyp


Zuerst werden die Teeblätter in einem Schälchen mit wenig kochendem Wasser bedeckt, derweil die Milch-Wasser-Mischung in einer kleinen Pfanne auf mittlerer Stufe erhitzt. Bevor die Flüssigkeit zu kochen beginnt, werden die feuchten Teeblätter dazugegeben, gut umgerührt und die Herdplatte flugs ausgeschaltet. Man deckt die Pfanne nun zu und lässt den göttlichen Nektar vier Minuten ziehen respektive fünf, falls das Getränk gekühlt genossen werden soll. Danach wird via Sieb in angemessene (d.h. monarchiewürdige) Tassen umgeleert und mit Zucker oder Honig gesüsst. Für die kalte Variante stellt man den Tee zuerst noch ein Weilchen in den Kühlschrank. Kanpai!



9 Nara: Aufdringliche Bambis

Ja, definitiv, wenn man in Japan ist, sollte man unbedingt den Nara-Park besuchen, er ist ab Kyoto problemlos im ÖV erreichbar. In Nara selbst gibt's zudem eine schier unendliche Zahl an Schreinen, Tempeln und Ruinen zu besichtigen, sofern man sich für dergleichen Gerümpel zu erwärmen vermag.


Highlight des an sich schon prächtigen und weitläufigen Nara-Parks sind gut über 1'000 etwa hüfthohe Sikahirsche, die sich darin freilaufend tummeln und sehr gerne mit Senbei-Reiscrackern füttern lassen. So gerne, dass diese vermaledeiten, fresssüchtigen Mistbratzen zuweilen ein ausserordentlich forsches und forderndes Auftreten an den Tag legen, das sich in individuellen oder oftmals auch knallhart bandenmässig organisierten Übergriffen auf ahnungs- und sorglose Parkgänger manifestiert. Da wird verfolgt und angerempelt, das ist nicht mehr zum Sagen. Rein äusserlich wahrt das Wildgetier verschlagen und hinterhältig den Anschein von fluffig-unschuldigen "jöh, so herzig"-Bambis, aber im Inneren: Pechschwarze Seelen, die jeden auch noch so brutalen, verrohten Klassenrowdy zum unschuldigen Klosterschüler degradieren.


Tut Euch das mal rein: Jedes Jahr werden im Nara-Park zwischen 100 und 200 Menschen zu Opfern dieser üblen Brut, auch Knochenbrüche sind keine Seltenheit. Ich empfehle daher lebensmüden Touristen nachdrücklich, den Nara-Park nicht ohne geschärftes Jagdmesser, durchgeladene und entsicherte Vorderschaftrepetierflinte sowie einen prall gefüllten Munitionsgurt zu betreten. Eine rostige Eisenstange tut's zwar vermutlich auch, denn was bei Robbenbabys gut hinhaut, sollte auch bei Sikahirschen seine Wirkung nicht verfehlen.


Nachtrag: Womöglich hat sich oben ein ganz klein wenig Frust und Enttäuschung darüber entladen, dass sich die süssen Hirschchen nicht wirklich so gerne wuscheln und knuddeln lassen. Aber immerhin kann man ihnen beim Crackerknabbern aus nächster Nähe zuschauen, om nom nom, hach. Will meinen: Ich liebe Tiere, damit das mal schön klar ist - sogar aufdringliche Sikahirsche. Und Robben.



10 Toto Washlet: So geht Kacken

Japan ist auch heute noch, so sollte man neidlos anerkennen, das Hochtechnologieland schlechthin. Während in Westeuropa aber vorwiegend Unternehmen wie Toyota, Sony oder Fujitsu ziemlich breite Bekanntheit erlangt haben, fristet Toto noch - und ich betone: noch - ein quasi inexistentes Dasein. Dies völlig zu Unrecht, denn erstens ist Toto ein an der Tokioter Börse kotiertes Grossunternehmen mit Milliardenumsätzen (nicht bloss in Yen), und zweitens stellt die Firma Produkte von schier unermesslicher Grossartigkeit und Brillanz her.


Wer das nachgerade lebensverändernde Privileg geniessen darf, wenigstens einmal auf einer Schüssel von Toto sein Happahappa nach Braunstadt gebracht zu haben, wird auf hiesigen Toiletten fürderhin nur noch mit einem enttäuschtem Gesichtsausdruck Platz nehmen.


Unwissende werden sich nun wohl fragen, was den Ausscheidungsvorgang von metabolischen Endprodukten auf einem Klo von Toto wie beispielsweise der Linie "Washlet" auszeichne. Grob gesagt ist es die damit verbundene, befriedigend-erleichternde Gesamterfahrung, im Detail sind es ausgeklügelte Produkteigenschaften wie:

  • Annäherungssensor für automatische Deckelöffnung und -schliessung

  • Schmutzabweisende Vorbenetzung der Schüssel mit "PreMist"-Funktion

  • Regulierbar vorgeheizte Brille aus silikonhaltigem Spezialmaterial

  • Luftverbesserung mit "Deodorizer" via ionisiertem Kohlefaserfilter

  • Diverse Duschfunktionen für Anus und Intimbereich inkl. Oszillation und Massagefunktion, je mehrstufig einstellbar sind Wasserdruck, Düsenposition sowie Wassertemperatur

  • Trocknerfunktion (für nach der Dusche)

  • Automatische "Tornado Flush"-Spülung

  • Vollständige Selbstreinigung mittels Wasser, UV-Licht und Zirkon-Beschichtung

  • Seitliche Nachtbeleuchtung zwecks Beibehaltung des Halbschlafs

  • Fernbedienung und selbstlernende Memory-Funktion

Nach der Aufnahme des obigen Fotos in der öffentlichen Herrentoilette des Hiroshima Peace Memorial Museum (ich musste gross) versetzte mich das Ausprobieren der unzähligen Features dermassen in verklärte Faszination, dass ich prompt mein Handy liegen gelassen hatte. Nur fünf Minuten später war es schon nicht mehr da - weil mein Nachfolger es bereits am Infoschalter des Museums abgegeben hatte. Womöglich weil eben dieser Nachfolger dank Toto allgemein keine, im Speziellen auch nicht die allergeringste olfaktorische Herausforderung zu bewältigen hatte und mir demzufolge sicher äusserst wohlgesonnen war - "Deodorizer", you know.

 

Zum ersten Teil dieser Trilogie geht's hier, und zum zweiten Teil hier.

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